Zunder oder die Krux mit dem Feuer

Nachdem wir lange und immer wieder selbst gesucht haben, wo man guten Zunder herbekommt, damit wir auch mal das Lagerfeuer richtig anmachen können, brachte uns ein Freund auf Idee das ganze einfach mal selber zu machen.
Kann ja nicht so schwer sein, dachten wir uns.
Wir entschieden uns für Zunder aus Rohrkolben, da bei uns Fußläufig welcher wächst. Kurz bevor die Stadt diesen mähte, konnten wir uns noch mal 3 Kolben sichern. Nachdem diese dann Wochenlang auf dem Balkon lagerten und anfingen sich überall zu verteilen, wanderten die Rohrkolben in den Keller wo sie wieder dem vergessen anheimfielen.

Im neuen  Jahr war es dann aber soweit, nach langer Recherche wurde Material bestellt und der Rorkolben auseinander gepflügt um anschließend mit Waschpulver gewaschen zu werden.  Anschließend 2 Tage liegen zum Trocknen – eine recht angenehme Arbeit.  Das waschen wiederholte sich dann um die Waschmittelrückstände endgültig zu beseitigen. Wieder gab es ein par Tage der Entspannung, da das trocknen sich etwas hinzog – ein Vorgang aus dem fast das ganze bearbeiten besteht 🙂
Nachdem dann auch endlich das Kaliumnitrat angekommen war, konnte nun der nächst Schritt in Angriff genommen werden, eine Lösung wurde hergestellt und das Material darin eingelegt.
Wir gaben dem Material ein paar Tage Zeit einzuziehen um dann wieder alles zum trocknen aus zu legen.
Das aufwendigst war dann am Ende, alles in kleine Tüten abzupacken, eine recht beachtliche Ausbeute die wir hier erreicht haben:

 

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Thorsberghose

Material: Stoff: Wolle-Seide-Gemisch Rautenköper
Garn: Wolle-Seide ungefärbt
Nadel: moderne Nähnadel

Um den Schnitt auszuprobieren wurde zuerst ein Probestück aus einem alten Bettlacken Maschinen genäht.
Danach dann das Schnittmuster auf den eigentlichen Stoff übertragen und zugeschnitten.

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Anlegen der Nahtzugabe

Ich habe begonnen in dem ich die einzelnen Teile erst einmal angelegt habe – sprich die Nahtzugaben mit dem Überwendlingstich an genäht.

Überwendlingstich

Überwendlingstich 

Im Anschluss wurden dann erst das Mittelstück hinten an das linke Bein genäht. Darauf gefolgt von dem Mittelstück auch hier habe ich wieder den Überwendlingstich benutzt.
Hierbei habe ich darauf geachtet, möglichst nah beieinander zu nähen damit die Naht auch gut hält und möglichst kleine feine Stiche zu setzen.
Ebenso beim Anlegen der Nahtzugaben – immer darauf achten das man kleine feine Stiche macht. Eine Handnaht muss nicht grob sein.

Als nächstes kam das 2. Bein dazu, genau so wie beim ersten Bein habe ich hier darauf geachtet alles mit feinen Stichen zusammen zu fügen.
Hierbei war das schwierigste alles exakt zusammen zu stecken. Besonders schwierig war es das bein an den hinteren Lappen zu fixieren, da es wie so oft, zu leichten Messungenauigkeiten kam. Aber auch das bekam ich mit einigem hin und her schieben hin. Allerdings gibt es da jetzt eine ganz kleine Falte, fällt allerdings nicht wirklich auf und ist auch nicht unbequem.

Das schlimmste beim nähen waren aber die Gürtelschlaufen. Noch nie etwas so nerviges gemacht. Ich brauchte für diese fast so viele Tage wir für den Rest der Hose.

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Gürtelschlaufe annähen

Zuerst außen wieder mit Überwendlingstich angenäht, danach umgeklappt und innen ebenfalls mit dem selben Stich fixiert. Damit die Schlaufe beim Tragen nicht ausreißen kann habe ich diese noch einmal mit einigen Stichen oberhalb der Überwendlingsnaht mit einem einfachen Stich fixiert.  Ob das reicht, wird die Zeit zeigen.

Hier nun die fertige Hose.


Wie meistens bei der Thorsberghose ist diese im oberen Bereich etwas weit – dies wird bei der nächsten noch einmal optimiert werden.

Mittelaltermarkt Greven an der Ems

 

Was haben wir uns auf diesen Markt gefreut – nachdem wir den Markt 2 Wochen vorher in Rheine schon nicht ganz so genießen konnten wie gewollt, da der Aufbau des Marktes eher semi-gut war und wir so ziemlich das Ende waren, wo kaum jemand hin kam oder stehen blieb. Außerdem gab es dort schon viele Lücken und eine Menge Lager ohne jeglichen Bezug zum Mittelalter. Trotz allem hatten wir in Rheine ein paar schöne Tage.

Nun aber zum Markt in Greven:

Da ich und mein Freund beide noch bis 17 Uhr arbeiten mussten – naja mein Freund konnte schon eher Feierabend machen, so das als ich gegen 17:40 Uhr pitsch nass nach hause kam, er schon mit dem Packen des Kombis fertig war, kamen wir erst gegen 19:00 Uhr am Gelände an – zum Glück hatte die Ritterschaft von Sollich uns bereits mit angemeldet so das wir durch ein Telefonat mit diesen Leuten bereits wussten wo wir hin sollten. Voller Vorfreude fuhren wir also dort hin – der erste Dämpfer der Vorfreude überkam mich als klar wurde, das wir vor dem Deich aufbauen sollten, also auf dem kleinen Platz direkt am Parkplatz, gegenüber des Schwimmbades. Aber ok, das wird schon schön werden dachte ich und ein paar Besucher werden auch dort hin kommen.
Es gab ein großes hallo und wir begannen mit dem abladen und aufbauen – leider sah ich dabei das mehr oder weniger 10 Meter hinter unserem Zelt der Teilnehmer-Parkplatz begann – so wie das Zelt stand hatten wir einen wunderbaren Blick auf diesen. Es hieß, dass da noch 2 Lager hin kämen, welche dann ja den Blick auf diesen versperren würden.

Gegen 21:00 Uhr war meine Laune dann so richtig im Keller- es kamen keine Lager mehr und das Auto das am weitesten von uns entfernt war stand knapp 3m weg! 20170714_214039 Ich pissig wie ich war, hatte schon keine Lust mehr da zu bleiben – die Zugverbindung hatte ich bereits gecheckt und die war ebenso beschissen wie die Aussicht.
Ausgeglichen, wie ich in solchen Momenten bin, kam meine Tendenz zum Sarkasmus deutlich hervor, was meine Mitmenschen wenig begeisterte.

Zumindest brachte ich die Herren dazu, sich einmal mit den Veranstaltern zu unterhalten. Ich blieb besser im Lager, da ich nicht gerade zu einer menschenfreundlichen Diplomatie neige.

Was kam dabei rum?
Die Autos blieben stehen, die Lücke blieb, jedoch entschuldigte man sich für die Unannehmlichkeiten, was allerdings nichts an der Aussicht änderte.
Wir stellten dann mal eben unser Lager um, zum Glück haben wir ja ein Osebergzelt, mit 4 Mann ist das ja schnell verrückt … also erst mal aus dem weg stellen, Bett dahin wo das Zelt hin sollte dann das Zelt drüber und das Sonnensegel wieder neu angebracht dauerte knapp 20 min und man musste das Elend der Fahrzeuge nicht mehr sehen, außer man saß bei der Ritterschaft, ganz konnten wir uns also den Blick auf den Parkplatz nicht verstellen.20170714_222751
Meine Laune war besser aber nicht gut. Ändern konnte ich aber nichts weiter. Mit interessierten Besuchern rechneten wir dann für das Wochenende auch nicht mehr.

Die Nacht war dann doch ganz gut, sogar ohne Zeltheizung war mir warm. Wachte trotzdem mit Halsschmerzen auf. Aber was soll‘s, Schwund ist ja bekanntlich immer.
Der Markttag begann und wie ich es erwartet hatte, die ersten Besucher kamen, schauten und drehten 5m vor unserem Lager um. Na denn, dachte ich, dann wird das halt mal ein entspannter Markt ohne Publikumsverkehr.
Da hatte ich aber falsch gedacht!
Es dauerte zwar bis zum frühen Nachmittag, allerdings ging es dann richtig los. Noch nie ist es uns passiert, das wir mit alle Mann zusammen standen und erklärten – 2 Leute am Tisch mit der Wolle und dem Nadelgebundenen, einer an der Rüstung – dann kam Mark, der Schreiber der Ritterschaft und der Herzog selbst stand an seiner Rüstung und erklärte dort . Die Besucher standen Schlange – erst bei uns, dann bei der Birka-Rüstung um dann weiter gehen zu können und sich über das Hochmittelalter zu informieren.Zwischenzeitlich standen locker 30 Besucher bei uns am Ende um Fragen zu stellen und auch mal auszuprobieren. Wir brauchten sogar ein Pause-Schild damit wir mal in ruhe etwas essen konnten 😀 naja in ruhe nicht wirklich aber zumindest mal eben was essen.
Auch wenn das furchtbar anstrengend war, so war das doch wunderschön, soviel interessierte Besucher zu haben. Einer kam sogar später noch einmal wieder um sich zu bedanken, das wir uns soviel Zeit nehmen würden, das wir so freundlich wären obwohl doch so viele Leute was von uns wollten, das wäre bei den anderen Lagern nicht der Fall. Ich gebe zu, da habe ich mich schon ganz schön gebauchpinselt gefühlt.

Auch haben diese vielen netten und lieben Besucher dieses Wochenende zu einem ganz besonderen und tollen gemacht, obwohl ich Freitag Abend echt nicht mehr damit gerechnet habe, das es mir überhaupt Spaß machen würde.

Außerdem gab es an diesem Markt ein tolles Geschenk
Am Samstag bekamen wir Besuche von Florian Lünne, einem Lieben Freund den ich schon viele Jahre von Mittelaltermärkten kenne. Dieser brachte uns ein ganz tolles 20170719_194410Gastgeschenk mit, das wir dann noch in unserem Lagerfeuer brennen durften 🙂

Beim nächsten Markt wird es dann eingeweiht

Der Sonntag war ähnlich dem Samstag, man kam zu nichts da wir von Besuchern belagert wurden – und ja, das war toll. Auch wenn ich den Sonntag zum Großteil im Zelt verbringen durfte, bzw. weit ab sitzend, da mich eine Sommergrippe erwischt hatte – die mich übrigens immer noch in ihren Klauen hält, aber ich bekomme sie bis zum nächsten Wochenende schon noch klein.

Das einzige was noch mal so Richtig besch… war, dass es Punkt 18:00 Uhr natürlich anfing zu Regnen!
Also alles nass rein kam. Heute ist aber alles trocken und ab morgen darf mein kleines Auto auch wieder in die Garage.

Neues Feuer

Mal wieder was lustiges der Kiste kram:

Es ist einige Jahre her, da erlebte ein befreundetes Lager folgende Szene:

Zwei Jugendliche kommen auf das Lager zu, während gerade Feuer gemacht wird, um das Abendessen zu machen.

Junge 1: Komm da machen die gerade Feuer.

Junge 2: Aber wir waren doch gerade erst an einem Feuer!

Junge 1: Ja aber das hier ist frisch, das ist noch wärmer als das andere!

Unterschiede und Konfliktpunkte in der mittelalterlichen Darstellung

Aspekte der „grobmittelalterlichen Darstellung“

Wenn wir die Mittelalterszene betrachten, sehen wir nicht nur eine, sondern eine Vielzahl an verschiedenen Szenen. Das es so zu Konlfikten kommen kann, ist denke ich ersichtlich. Einer der Hauptpunkte die zu Konflikten führen ist, denke ich alleine schon der unterschied, den die verschiedenen Szenen bei der Vorstellung haben, was den nun Mittelalter ist.

Für die einen sind Filme und Romane Quellen für das Mittelalter und entsprechend ist ihre Vorstellung und Umsetzung.

Ein falsches Bild wird auch durch Mittelaltermärkte vermittelt, da diese keine geschichtliche Vermittlung zur Aufgabe haben, sondern Unterhaltung und Flair bieten. Damit bieten sie einen Ausgleich sowie eine Flucht vor dem Alltag.
Hier wird die Erwartungshaltung welche durch Film, Fernsehen und Romane geprägt ist bedient, um dem Besucher schöne Stunden erleben zu lassen.
Natürlich findet man auch hier immer wieder mal Darsteller mit historisch belegorientiertem Hintergrund, die Wissen über das echte Mittelalter vermitteln. Diese haben aber nichts mit dem Anspruch des Marktes zu tun sondern ergänzen diesen nur.

Einige fragen sich: Warum kann ich eine historische Darstellung nicht machen, nur weil ich etwas eigenes mit reinbringe, die waren doch nicht doof damals, wenn ich darauf komme, hätten die das ja auch machen können.
Da wir in der Geschichtswissenschaft genaue Definitionen haben, müssen diese auch bei einer Darstellung beachtet werden um eine historische Darstellung zu erreichen.

Interpretationen sind immer ein Teil der Darstellung, sollten aber möglichst immer wissenschaftlichen Standards und Arbeitsweisen entsprechen!
Was bedeutet das?

Nur anhand von wissenschaftlich erarbeiteten Interpretationen können wir sicher sein, dass die Möglichkeit das es so gewesen, auch gegeben ist.
Alles anderer entspringt nur der Phantasie des Einzelnen und nur weil etwas erdacht werden kann, heißt es nicht, dass das schon mal passiert ist und auch umgesetzt wurde. Wenn wir also eine Zeit Darstellen wollen, die es wirklich gegeben hat, müssen wir uns auf das beschränken, was wir wirklich über und aus dieser Zeit wissen. Sonst verfälschen wir die dargestellte Zeit und bedienen bestenfalls nur falsche Klischees.

Und genau das ist es, was meist die Darsteller mit einem historischen belegorientierten Hintergrund zur Weißglut treiben kann, das falsches vermittelt wird, das Klischees als Historie verkauft und Fernsehsendungen als Geschichte verkauft werden.

Solange man das Kind beim Namen nennt, ist das alles kein Problem, solange kann und soll jeder glücklich werden, wie er/sie es für richtig hält.

Warum ist „A“ böse?

Der Buchstabe steht hier für Authentizität bzw. authentisch, was bedeutet das?

Die Erklärung aus dem Duden:
echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig

Wie bezieht sich das jetzt auf das Hobby Mittelalter?

Der begriff Authentisch wird benutzt um zu zeigen, das die Darstellung historisch belegt ist – Die Kleidung aus den Materialien besteht die im Mittelalter genutzt wurden – die Farben pflanzengefärbt sind und es so ist wie es gefunden, durch Abbildungen oder Statuen belegt sind.
Somit wäre es besser von historisch belegter Darstellung zu sprechen, als von einer authentischen.

Es gibt auch in der historisch belegten Darstellungen Abstufungen in der Qualität der Darstellung. Der eine arbeitet mit Stoff aus handgewebter und handgesponnener Wolle, der andere mit Wolle die naturgefärbt ist und in allem anderen den belegten Funden entspricht. Wieder andere nutzen modernere Mittel, bei denen das Ergebnis aber aussieht wie.
Das erste ist ganz klar Museumsqualität, auch das 2. findet man in Museen, das 3. genannte kann man manchmal auch schon in Museumsveranstaltungen antreffen – ist aber ein gewaltiger Unterschied. Häufig kommt es alleine hier schon zu Diskussionen anhand von unterschiedlichen Ansichten und Herangehensweisen.


Nun wissen wir also was eigentlich gemeint ist, wenn von „A“ die rede ist.

Was ist jetzt daran böse?
Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Mir fällt nicht ein, was daran böse/schlecht sein soll.

Auffallend ist aber immer wieder, das sich Darsteller mit historischem Anspruch mit Äußerungen konfrontiert sehen wie:

  1. A macht keinen Spaß
  2. nur ausgebuddelt und angezogen ist A
  3. historische Darsteller sind Besserwisser
  4. wenn es A sein soll dann müsst ihr auch mit der Kutsche zum Markt
  5. Dann müsst ihr eure Plomben aus den Zähnen ziehen lassen und dürft nicht zum Arzt gehen
  6. grabt euch ein Loch und scheißt da rein

Was hat das jetzt aber alles mit der Darstellung zu tun?

  1. Macht historische Darstellung keinen Spaß? Warum macht man das den da? Natürlich macht das Spaß 🙂 sonst würde das ja keiner machen
  2. naja das wäre original, sähe aber teilweise ziemlich doof aus, oder? Das hat auch nichts mit einer Darstellung zu tun,
  3. Deutsche sind Besserwisser, Bayern sind Besserwisser … das kann man endlos fortführen, die gibt’s nämlich überall!
    Historische Darsteller haben zumindest ein großes Wissen und viele sind so nett andere daran Teilhaben zu lassen.
  4. Und Piraten mit Schiff, Orks auf Wargen und Elfen fliegen? Das hat genauso wenig mit der Darstellung zu tun, wie der Beruf den jemand ausübt. Verwechselt nicht Leben mit darstellen. Die Darstellung beginnt mit der Veranstaltung, zumindest im Falle einer Veranstaltung. Natürlich gehört da noch mehr zu, was mit dem Herstellen von Dingen einhergeht etc., aber niemals mit dem Transport zu Veranstaltungen!
  5. Auch hier gilt, nicht das Leben mit dem Hobby verwechseln! Auch historische Darsteller machen das in ihrer Freizeit und führen ein ganz normales modernes Leben, wie jeder andere auch, der irgendeinem Hobby frönt.
  6. Bei einigen Veranstaltungen, wäre das sicher die schönere Lösung, aber da hat der Gesetzgeber was gegen. Und auch hier gilt, historische Darsteller sind moderne Menschen und keiner, wirklich keiner von denen, möchte zu 100% so leben wie in der Darstellungszeit. Auch diese mögen moderne Weiterentwicklungen, die sind ja nicht doof 🙂

Meine Antworten auf die immer wiedergebrachten Argumente gegen historische Darstellung sollte eigentlich für jeden logisch sein. Das sind Totschlagargumente. Aber warum kommen sie immer wieder auf?
Das wüsste ich auch gern und habe ich mich schon oft gefragt.
Mir bleibt nur der Verdacht, das die, die diese Argumente bringen, sich a. – nie wirklich mit Thema auseinandergesetzt haben, sie b. – Provozieren wollen und c. – einfach keine guten Argumente haben. Mag sein, dass auch der ein oder andere wirklich denkt, das Leute mit historischem Anspruch wirklich im Mittelalter leben wollen. Wie man allerdings auf solch eine Idee kommen kann, erschließt sich mir nun auch nicht.

Wo kommt das aber alles her?
Wie ich bereits im Artikel Was ist Mittelalter in der heutigen Zeit? geschrieben habe, denke ich das ein teil daran liegt, das es verschiedene Arten des Hobbys „Mittelalter“ gibt und sich die, die keine historische Darstellung betreiben sich durch diese Minderwertig und herabgesetzt fühlen. Anders kann ich mir dieses Beißen und die Verteidigungshaltung die in dieser Szene eingenommen wird, sobald auch nur der Schatten von historischer Herangehensweise in das Blickfeld gerät, nicht erklären.

Jedenfalls ist das Thema sehr komplex und spannend und wird sicher noch das ein oder andere mal von mir betrachtet werden.

Trägerrock, nicht Schürzenkleid …

Worum es mir geht … Der Trägerrock der Wikingerfrauen

Immer wieder liest man wenn vom Trägerrock die rede ist das es als Schürzenkleid betitelt wird.
Seid wann hat sich das eigentlich so eingebürgert und warum?

Ein Schürze : Eine Schürze, auch Vorbinder oder Vorstecker genannt, ist ein Kleidungsstück, das vor den Bauch und manchmal auch die Brust gebunden wird, um die Kleidung vor Schmutz zu schützen. (Quelle: Wikipedia)

Der Trägerrock aber ist meines wissens nach immer aus feinen und somit teuren Stoffen. Ein Sonntagsstaat, etwas edles das man nicht zur Arbeit trug.
Also warum betitelt man das ganze dann nach einem Kleidesstück, das die gute Kleidung vor Schmutz schützen soll?
Ein weiterer deutlicher Unterschied sollte sein, das eine Schürze vorne festgemacht wird (ausnahme ist ihr die Kellnerschürze, die meist um den ganzen Unterkörper geschlungen und vorne zugebunden wird) – und das Trägerkleid rundum geht. Auch wenn es verschiedene Interpretationen gibt, so ist doch allen gleich, das sich das Trägerkleid nicht auf den vorderen Bereich beschränkt sondern die Seiten und den Rücken mit abdeckt.

Also warum dann dieses Besondere Stück in Verbinung mit einem Arbeitskleidungsstück bringen?

Handarbeit und Wertschätzung

Manchmal bin ich einfach nur geschockt, dann überlege ich meist, ob Lachen nicht doch besser wäre. Heute war mal wieder so ein Tag.

Ich muss mich zur Zeit von meinen Gewandungen trennen, passe nicht mehr rein – eher gesagt bis zur nächsten Saison werde ich 2x hineinpassen. Also habe ich versucht, eine Gewandung – ein Marktkleid, dessen Werdegang hier nach zu lesen ist.Wie man sehen kann, war es eine Menge Arbeit, das Schnittmuster erstellen, die Recherche und auch wenn es mit der Nähmaschine genäht ist, war das nicht so einfach und mal eben gemacht.
Getragen habe ich sehr gerne, aber nur 5x. Passiert, wenn man sich kurzfristig darstellungstechnisch umorientiert.

Wie gesagt, ich habe es in verschiedenen Facebookgruppen eingestellt, Anfragen gab es einige, aber die Presivorstellungen … teilweise unter 20% des Wunschpreises. Damit wäre nicht mal der Stoff gekauft.
Als ob das nicht schon genug wäre, waren die Begründungen, die für die extrem niedrigen Gebote dazu kamen,  dann wirklich heftig:
Es ist ja nur Handarbeit, da gebe ich nicht so viel für.
Wäre es gekauft würde ich ja mehr geben, aber das hast du ja selber gemacht

Was geht nur in den Köpfen der Leute vor?
Was läuft da schief?
Und was bitte mach ich mit dem handgenähte, pflanzengefgärbten Wollkleid nach Fundlage?

Winterprojekte – oder das mach ich im Winter

Wir haben November und es ist die Zeit, in der man sich etwas für den Winter vornimmt. So wie jedes Jahr.
Meistens nimmt man dann mindestens die Hälfte an Projekten mit in den nächsten Winter, den selbst im Sommer schafft man nicht das was man will *unschuldig pfeif*

Ich habe mir dann mal eine Liste gemacht, wie mein Winter so von den Projekten her aussehen soll, das es ganz anders sein wird, ist mir klar.

  • 3 Mützen Nadeln (Weihnachtsgeschenke)
  • 1 Mütze, die dann irgendwann aufgeribbelt wurde endlich fertig und dann in der richtigen Größe machen
  • Gewandung ausmessen und verkaufen
  • Komplett neue Gewandung nähen – 2 Untergewänder aus Leinen, 1 Übergewand aus Wolle und Trägerkleid
  • den Wollstoff dafür färben
  • Wolle färben
  • Stoff ausmisten und sortieren
  • Spinnen lernen
  • 2 paar Socken nadeln
  • aus meiner schönen Krappwolle was machen
  • einen Tisch bauen
  • 2 Untergewänder von Freund fertig stellen, wenn er die Vorarbeit geleistet hat
  • Haithabu Bügeltasche nähen – Und das schwerste:
  • meinen Freund dazu zu bringen seine Winterprojekte in Angriff zu nehmen

das sind dann man die Projekte, die fürs Living History anstehen, abgesehen von denen, die meine Wohnung betreffen und was sonst noch so anliegt aber darum geht es ja hier nicht xD

Ich bin jetzt schon gespannt, was ich den alles davon schaffe und was wirklich im Winter umgesetzt wird.

Zigeuner oder doch Mallorca-Pauschalreise

Die Geschichte ist zwar schon einige Jahre her, noch aus den Zeiten in denen wir beim MPS aufgebaut haben, sorgt aber bei Erzählungen immer noch für Schmunzeln und ungläubiges Staunen, so dass ich sie euch auch hier nicht vorenthalten möchte.

Wir hatten unser Lager beim MPS in Telgte aufgeschlagen. Kein Programmpunkt lag grade mal an, es standen auch mal keine Besucher vor dem Lager um die man sich hätte kümmern müssen, das Wetter war schön. Kurz, es war der ideale Zeitpunkt sich mal gemeinsam an den Tisch zu setzen und sich der ruhigen Phasen des Lagerleben hinzugeben.

Diese ruhige Phase wurde allerdings jäh gestört, als sich ein Vater, in Begleitung seines etwa 12 jährigen Sohnes und seiner etwa 16 jährigen Tochter, vor unser Lager stellte und zu seinem Sohn, mit lauter Stimme sagte: „Siehst du, deswegen sage ich dir immer, dass du in der Schule besser werden musst. Dann kannste dir nämlich auch so nen schönen zweiwöchigen Mallorca-Urlaub leisten wie wir dieses Jahr und musst nicht so wie diese Zigeuner von Ort zu Ort reisen und ein armes Leben leben. Hätten die mal was vernünftiges gelernt müssten die das auch nicht.“

Vieles hatten wir schon gehört, aber das war nun schon das härteste was uns bisher so an die Ohren gekommen war. Und so saßen wir alle, irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Staunen gefangen, am Tisch und keiner Regung fähig. Alle? Nicht alle! Unser Lagerleiter, sonst auch bei den unerwartetsten Sprüchen von Besuchern meist beherrscht, stand auf, ging in Richtung der Besucher und machte dabei ein Gesicht, dass, wenn man unseren werten Lagerleiter kennt, nicht wirklich Gutes zu verheißen versprach.

„Entschuldigung werter Herr“, hörte man ihn sagen. „Es tut mir wirklich leid, dass ich Zigeuner es bisher in meinem Leben nur zu zwei Studiengängen, sowie zwei weiteren Berufsausbildungen gebracht habe und derzeit auch nur als selbständiger Personalberater und Gründercoach mein trauriges Dasein fristen muss“, fuhr er fort. „Und ich bedauere es sehr, dass ich mein Geld nicht in irgendwelche Mallorca-Pauschalreisen gesteckt habe, sondern in mein Lager, welches ich aus reiner Freude und Übermut betreibe. Hätte ich das nicht getan, wären sicherlich die Kosten für die nächsten Mallorca-Pauschalreisen locker gedeckt gewesen. So kann ich es mir leider nur leisten im Sommer drei Wochen nach Andalusien zu reisen und den Winter an einem anderen schönen Ort zu verbringen.“ Nun, letzteres war leicht übertrieben, aber unser Scheffe lief grade im Arrogant-und-eingebildet-Modus. Die Frage „Womit verdienen sie ihr Geld, wenn ich fragen darf“, beendeten seinen Auftritt.

Das Gesicht des Herrn Vaters wurde starr und mit etwas Phantasie konnte man seine Gedanken erahnen. „Huch, der Zigeuner kann sprechen und huch er gibt auch noch Widerworte!“ So packte er seinen Sohn an der Hand und zog ihn, während er sich hastig von unserem Lager entfernte, hinter sich her.

Nun könnte man glauben, dass die Situation damit vorüber war. War sie aber nicht. Die, vorhin kurz erwähnte Tochter, hatte sich das ganze nämlich, offensichtlich für ihren Vater schämend, angeschaut, ließ ihren Vater gut 20 Meter entschwinden bis sie ihm folgendes hinterher rief: „Du Vatter! Warte doch mal. Vielleicht solltest du den Zigeuner und Coach mal fragen was du eigentlich falsch machst, dass du mit deiner kleinen Klitsche immer kurz vor der Pleite stehst und wir uns sogar die, ach so tollen, Mallorca-Urlaube kaum noch leisten können!“

Das war der Moment, wo man den Herrn Vater samt Sohn endgültig enteilen sah und einer der wenigen Momente in denen ich Scheffe sprachlos erlebte.

Das Mädel wandte sich dann an uns und meinte: „Tschuldigung für meinen Alten. Nicht alle Telgter sind so. Und da ich ahne, dass jetzt irgendwie Stubenarrest angesagt ist, kann ich eigentlich auch bis Marktschluss am Gelände bleiben. Sollte ja spätesten um 22:00 Uhr zuhause sein, wenn ich keinen Stubenarrest bekommen wolle. Hm … bekomme ich ja jetzt eh schon.“ Und sie zog vergnügt in die Gegenrichtung zu Vater und Bruder davon. Kurz vor Marktschluss sahen wir sie nochmal an einer Taverne von der sie uns freundlich zuprostete.