Unterschiede und Konfliktpunkte in der mittelalterlichen Darstellung

Aspekte der „grobmittelalterlichen Darstellung“

Wenn wir die Mittelalterszene betrachten, sehen wir nicht nur eine, sondern eine Vielzahl an verschiedenen Szenen. Das es so zu Konlfikten kommen kann, ist denke ich ersichtlich. Einer der Hauptpunkte die zu Konflikten führen ist, denke ich alleine schon der unterschied, den die verschiedenen Szenen bei der Vorstellung haben, was den nun Mittelalter ist.

Für die einen sind Filme und Romane Quellen für das Mittelalter und entsprechend ist ihre Vorstellung und Umsetzung.

Ein falsches Bild wird auch durch Mittelaltermärkte vermittelt, da diese keine geschichtliche Vermittlung zur Aufgabe haben, sondern Unterhaltung und Flair bieten. Damit bieten sie einen Ausgleich sowie eine Flucht vor dem Alltag.
Hier wird die Erwartungshaltung welche durch Film, Fernsehen und Romane geprägt ist bedient, um dem Besucher schöne Stunden erleben zu lassen.
Natürlich findet man auch hier immer wieder mal Darsteller mit historisch belegorientiertem Hintergrund, die Wissen über das echte Mittelalter vermitteln. Diese haben aber nichts mit dem Anspruch des Marktes zu tun sondern ergänzen diesen nur.

Einige fragen sich: Warum kann ich eine historische Darstellung nicht machen, nur weil ich etwas eigenes mit reinbringe, die waren doch nicht doof damals, wenn ich darauf komme, hätten die das ja auch machen können.
Da wir in der Geschichtswissenschaft genaue Definitionen haben, müssen diese auch bei einer Darstellung beachtet werden um eine historische Darstellung zu erreichen.

Interpretationen sind immer ein Teil der Darstellung, sollten aber möglichst immer wissenschaftlichen Standards und Arbeitsweisen entsprechen!
Was bedeutet das?

Nur anhand von wissenschaftlich erarbeiteten Interpretationen können wir sicher sein, dass die Möglichkeit das es so gewesen, auch gegeben ist.
Alles anderer entspringt nur der Phantasie des Einzelnen und nur weil etwas erdacht werden kann, heißt es nicht, dass das schon mal passiert ist und auch umgesetzt wurde. Wenn wir also eine Zeit Darstellen wollen, die es wirklich gegeben hat, müssen wir uns auf das beschränken, was wir wirklich über und aus dieser Zeit wissen. Sonst verfälschen wir die dargestellte Zeit und bedienen bestenfalls nur falsche Klischees.

Und genau das ist es, was meist die Darsteller mit einem historischen belegorientierten Hintergrund zur Weißglut treiben kann, das falsches vermittelt wird, das Klischees als Historie verkauft und Fernsehsendungen als Geschichte verkauft werden.

Solange man das Kind beim Namen nennt, ist das alles kein Problem, solange kann und soll jeder glücklich werden, wie er/sie es für richtig hält.

Warum ist „A“ böse?

Der Buchstabe steht hier für Authentizität bzw. authentisch, was bedeutet das?

Die Erklärung aus dem Duden:
echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig

Wie bezieht sich das jetzt auf das Hobby Mittelalter?

Der begriff Authentisch wird benutzt um zu zeigen, das die Darstellung historisch belegt ist – Die Kleidung aus den Materialien besteht die im Mittelalter genutzt wurden – die Farben pflanzengefärbt sind und es so ist wie es gefunden, durch Abbildungen oder Statuen belegt sind.
Somit wäre es besser von historisch belegter Darstellung zu sprechen, als von einer authentischen.

Es gibt auch in der historisch belegten Darstellungen Abstufungen in der Qualität der Darstellung. Der eine arbeitet mit Stoff aus handgewebter und handgesponnener Wolle, der andere mit Wolle die naturgefärbt ist und in allem anderen den belegten Funden entspricht. Wieder andere nutzen modernere Mittel, bei denen das Ergebnis aber aussieht wie.
Das erste ist ganz klar Museumsqualität, auch das 2. findet man in Museen, das 3. genannte kann man manchmal auch schon in Museumsveranstaltungen antreffen – ist aber ein gewaltiger Unterschied. Häufig kommt es alleine hier schon zu Diskussionen anhand von unterschiedlichen Ansichten und Herangehensweisen.


Nun wissen wir also was eigentlich gemeint ist, wenn von „A“ die rede ist.

Was ist jetzt daran böse?
Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Mir fällt nicht ein, was daran böse/schlecht sein soll.

Auffallend ist aber immer wieder, das sich Darsteller mit historischem Anspruch mit Äußerungen konfrontiert sehen wie:

  1. A macht keinen Spaß
  2. nur ausgebuddelt und angezogen ist A
  3. historische Darsteller sind Besserwisser
  4. wenn es A sein soll dann müsst ihr auch mit der Kutsche zum Markt
  5. Dann müsst ihr eure Plomben aus den Zähnen ziehen lassen und dürft nicht zum Arzt gehen
  6. grabt euch ein Loch und scheißt da rein

Was hat das jetzt aber alles mit der Darstellung zu tun?

  1. Macht historische Darstellung keinen Spaß? Warum macht man das den da? Natürlich macht das Spaß 🙂 sonst würde das ja keiner machen
  2. naja das wäre original, sähe aber teilweise ziemlich doof aus, oder? Das hat auch nichts mit einer Darstellung zu tun,
  3. Deutsche sind Besserwisser, Bayern sind Besserwisser … das kann man endlos fortführen, die gibt’s nämlich überall!
    Historische Darsteller haben zumindest ein großes Wissen und viele sind so nett andere daran Teilhaben zu lassen.
  4. Und Piraten mit Schiff, Orks auf Wargen und Elfen fliegen? Das hat genauso wenig mit der Darstellung zu tun, wie der Beruf den jemand ausübt. Verwechselt nicht Leben mit darstellen. Die Darstellung beginnt mit der Veranstaltung, zumindest im Falle einer Veranstaltung. Natürlich gehört da noch mehr zu, was mit dem Herstellen von Dingen einhergeht etc., aber niemals mit dem Transport zu Veranstaltungen!
  5. Auch hier gilt, nicht das Leben mit dem Hobby verwechseln! Auch historische Darsteller machen das in ihrer Freizeit und führen ein ganz normales modernes Leben, wie jeder andere auch, der irgendeinem Hobby frönt.
  6. Bei einigen Veranstaltungen, wäre das sicher die schönere Lösung, aber da hat der Gesetzgeber was gegen. Und auch hier gilt, historische Darsteller sind moderne Menschen und keiner, wirklich keiner von denen, möchte zu 100% so leben wie in der Darstellungszeit. Auch diese mögen moderne Weiterentwicklungen, die sind ja nicht doof 🙂

Meine Antworten auf die immer wiedergebrachten Argumente gegen historische Darstellung sollte eigentlich für jeden logisch sein. Das sind Totschlagargumente. Aber warum kommen sie immer wieder auf?
Das wüsste ich auch gern und habe ich mich schon oft gefragt.
Mir bleibt nur der Verdacht, das die, die diese Argumente bringen, sich a. – nie wirklich mit Thema auseinandergesetzt haben, sie b. – Provozieren wollen und c. – einfach keine guten Argumente haben. Mag sein, dass auch der ein oder andere wirklich denkt, das Leute mit historischem Anspruch wirklich im Mittelalter leben wollen. Wie man allerdings auf solch eine Idee kommen kann, erschließt sich mir nun auch nicht.

Wo kommt das aber alles her?
Wie ich bereits im Artikel Was ist Mittelalter in der heutigen Zeit? geschrieben habe, denke ich das ein teil daran liegt, das es verschiedene Arten des Hobbys „Mittelalter“ gibt und sich die, die keine historische Darstellung betreiben sich durch diese Minderwertig und herabgesetzt fühlen. Anders kann ich mir dieses Beißen und die Verteidigungshaltung die in dieser Szene eingenommen wird, sobald auch nur der Schatten von historischer Herangehensweise in das Blickfeld gerät, nicht erklären.

Jedenfalls ist das Thema sehr komplex und spannend und wird sicher noch das ein oder andere mal von mir betrachtet werden.